Nachwachsende Rohstoffe — der Rohstoffmarkt

Laut der berühmten und oftmals zitierten Online – Enzyklopädie Wikipedia beträgt die Produktion von Rohholz weltweit pro Jahr 3,2 Milliarden Kubikmeter. Pro7 berichtete 2004 einmal vom Bau eines Blockhauses mit insgesamt 400 Kubikmetern Holz. Mit der weltweiten Holz-Einschlagsmenge ließen sich also — um die Sache etwas anschaulicher zu machen — etwa 8 Millionen Blockhäuser dieses Formates bauen. Das Beispiel Holz zeigt aber eins ganz deutlich: Der Rohstoffmarkt mit nachwachsenden Rohstoffen ist nicht immer gleichzusetzen mit einem ökologischen oder nachhaltigen Markt. Schließlich umfasst der weltweite Holzhandel etwa auch den Handel mit einigen Tropenhölzern, die so schnell abgeholzt werden, dass auch die ganz schnell nachwachsenden Rohstoffe nicht mehr nachkommen. Andererseits kann es — um den Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen zu decken — zu verstärkter Bildung von Monokulturen kommen, also von großen Flächen, auf denen über Jahre hinweg dieselbe Art von Pflanzen angebaut wird. Monokulturen sind aus ökologischer Sicht bedenklich, weil beispielsweise die Gefahr von Schäden durch Schädlingsbefall steigt. Beides — eine Übernutzung und Monokulturen nachwachsender Rohstoffe — müssen verhindert werden, um den Markt für diese Ressourcen auf Dauer als gesunden Markt zu etablieren. Die Europäische Union ist sich dessen bewusst und formulierte in den Schlussfolgerungen der EU-Präsidentschaftskonferenz zu nachwachsenden Rohstoffen vom 6. März in Nürnberg: „Auch die Erzeugung importierter Biomasse darf nicht zur Zerstörung wertvoller Lebensräume führen.“ Recht haben sie!

Ein weiterer Punkt, der bei der Gestaltung des Marktes für nachwachsende Rohstoffe eine Rolle spielt, ist der Vorrang vor dem Inland- gegenüber dem Importmarkt. Das bedeutet: Der Produktion nachwachsender Rohstoffe im eigenen Land sollte, wenn möglich, der Vorzug gegeben werden. Einerseits sinkt so der Energieverbrauch durch verkürzte Transportwege, andererseits bietet sich der einheimischen Landwirtschaft hier eine Möglichkeit, sich neue Einnahmen zu erschließen. Nach Angaben auf der Seite Biosicherheit (gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung) stieg die Gesamtzahl der Rapsanbaufläche in Deutschland von 669.000 Hektar im Jahr 2003 auf insgesamt 1.006.000 Hektar im Jahr 2005. Es könnte sein, dass sich der Anbau nachwachsender Rohstoffe rentiert und vielleicht… irgendwann noch stärker rentieren wird.